Preisträger 2011

Die Prämierungsveranstaltung zum Ideenwettbewerb Scidea 2011
Eine Expertenjury kürte am Abend des 23. Juni 2011 im Händel-Haus Halle zum Abschluss des Ideenwettbewerbs Scidea 2011 fünf kreative Ideengeber aus der Wissenschaft. Die Studierenden, Absolventen und Wissenschaftler aus den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt wurden mit Preisgeldern im Gesamtwert von 2.750 Euro prämiert. Aufgerufen zum Wettbewerb hatte das Hochschulgründernetzwerk Sachsen-Anhalt Süd, das Akademiker bei der Gründung unterstützt.
Die Preisträger 2011
Eröffnet wurde die Prämierungsveranstaltung von Marco Tullner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt. Anschließend begrüßte Dr. Martin Hecht, Kanzler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Gäste – darunter die innovativen Ideenträger, Gründungsinteressierte und Gründer, Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Sponsoren und Partner des Netzwerkes. Beide Redner betonten die Bedeutung von Wettbewerben wie dem Ideenwettbewerb Scidea, der junge Leute schon frühzeitig im Studium dafür sensibilisieren und motivieren soll, ihre Ideen umzusetzen.
Mit dem „Sonderpreis Forscher“ im Wert von 1.000 Euro, gesponsert von der Sparkassenbeteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, wurde das Ideenpapier von Dr. Jana und Dr. Jan Heise, Wissenschaftler und Absolventen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie von Dr. Daniel Mörlein, Wissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttingen, ausgezeichnet.
Die Preisträger Dr. Jana Heise und Dr. Jan Heise
Ihre eingereichte Idee beschreibt einen Biochip für Schlachthöfe, mit dem zukünftig die Qualität von Schweinefleisch online überprüft werden kann. „PIGchip“ heißt das Verfahren, das auf einem schnellen und kostengünstigen, automatisierten Bluttest während der Schlachtung basiert. Durch PIGchip kann auf die äußerst schmerzhafte Kastration von männlichen Ferkeln verzichtet werden, da es den Schlachthöfen die Möglichkeit bietet, automatisiert und zuverlässig die wenigen unkastrierten Eber, die geruchsauffällig sind („Stinker“), am Schlachtband zu identifizieren und zu für den Verbraucher unproblematischen Produkten zu verarbeiten.
Motivation am Wettbewerb teilzunehmen war für die glücklichen Preisträger vor allem die Meinung der Expertenjury. „Der Blick von außen in der frühen Phase der Ideenfindung war für uns wichtig. Wir wollten herausfinden, ob unsere Idee Marktpotential hat und umsetzbar ist. Mit der heutigen Anerkennung haben wir ein positives Feedback erhalten, das uns bestärkt, unsere Idee weiterzuentwickeln“, sagte Dr. Jan Heise, der 2007 sein Biotechnologie‐Unternehmen „NH Dyeagnostics“ auf dem Weinberg Campus in Halle gründete.
In der Kategorie „Innovatives Produkt“ überzeugte das Team „Tyewear“ um Anne Trautwein. Sie erhielten den ersten, mit 500 Euro dotierten, Preis, gesponsert von der BIO Mitteldeutschland GmbH. Die Absolventin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und ihre Teamkollegen Jens Reindl und Patrick Heypeter haben die Idee, das Geotextil Tyvek in Bekleidung einzusetzen. Das papierartige Funktionstextil besteht aus thermisch verschweißten, atmungsaktiven Polyethylen-Spinnfasern, welche so fein sind, dass sie nicht spürbar sind. Das weiche, federleichte, grobmaschige Gestrick ist besonders für Menschen mit empfindlicher Haut eine Alternative, aber auch für Freizeitsportler attraktiv; perspektivisch ist das Textil sogar im medizinischen Bereich anwendbar.
Die Preisträgerin Anne Trautwein und Dr. Ulrich Pigla
Anne Trautwein ist nach der erfolgreichen Teilnahme am Ideenwettbewerb Scidea optimistisch, dass die erste Produktreihe noch Ende des Jahres vom Band läuft. Genau das – die industrielle Produktion ihrer Textilen – möchte sie mit Hilfe eines Förderprogramms des Landes realisieren. Sollte dieses bewilligt werden, steht der Umsetzung der Idee „Tyewear“ und damit der Gründung eines Unternehmens nichts mehr im Wege.
Den ersten, mit einem Preisgeld von 500 Euro dotierten Platz in der Kategorie „Innovative Dienstleistung“, belegten Mirko Kisser, Jan Kursawe und Tim Friedrich von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Mit „i-like.mobi“ wollen sie die Lücke zwischen realer und vernetzter digitaler Welt schließen und dank mobilem Internet und QR-Codes jeden erdenklichen Gegenstand in Facebook präsent machen. Gesponsert wurde der Preis von den Stadtwerken Halle GmbH im Rahmen der privilegierten Partnerschaft mit der MLU.
Der Preisträger Mirko Kisser
„Der Ideenwettbewerb war für uns ein Motor: Eine Idee, die schon lang im Kopf herumschwirrte wurde nun konkret und durch die Entwicklung des Ideenpapiers schneller vorangetrieben“, sagte Mirko Kisser im Anschluss an die Prämierung.
Weiterhin wurde ein zweiter Preis in der Kategorie „Innovatives Produkt“, im Wert von 300 Euro, an die Ideenträger des Projekts „Traumpfade“ von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle verliehen. Sie haben interaktiv leuchtende Bodenplatten entwickelt.
Der Preisträger Aaron Wilde und Dr. Ulrich Pigla
Der dritte Preis in dieser Kategorie, dotiert mit 200 Euro, ging an zwei Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig. Sonja Hahn-Tomer und Dr. Konrad Siegfried haben mit ARSOlux ein Verfahren entwickelt, mit dem zuverlässig, schnell und preiswert kritische Arsenbelastungen im Grundwasser erfasst werden können. Beide Preise wurden gesponsert von der BIO Mitteldeutschland GmbH.
Der Preisträger Dr. Konrad Siegfried und Dr. Ulrich Pigla
Den Publikumspreis in Höhe von 250 Euro, gesponsert von der Stadtwerke Halle GmbH, erhielten Franziska Kolb und Christin Raschke für ihre Idee „Liebding“. Jeder der 80 geladenen Gäste der Abendveranstaltung hatte dazu die Möglichkeit, per Stimmzettelwahl für eines der im Foyer des Händel-Hauses ausgestellten Ideenpapiere zu voten.
Die Preisträgerin Franziska Kolb und Dr- Ulf-Marten Schmieder
Neben Studierenden und Absolventen waren auch Wissenschaftler der regionalen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aufgerufen, sich mit Ideen zur kommerziellen Verwertung ihrer Forschungsergebnisse, bspw. in Form einer Ausgründung, zu beteiligen. 44 Ideenträger reichten insgesamt 24 Ideenpapiere mit Konzepten für Produkte und Dienstleistungen im breiten Spektrum der Felder IT / Web, Life Sciences, Energie, Social Entrepreneurship, Automobil sowie aus dem Bereich Design ein. Zehn Projekte haben es in die engere Auswahl geschafft. In einer dreiminütigen Präsentation hatten die Finalisten am Nachmittag des 23. Juni die Möglichkeit, die Jury - Vertreter der Hochschulen und der Wirtschaft - endgültig von ihren Ideen zu überzeugen. Bei der Jury-Bewertung standen nicht das Gründungspotential, sondern das Entwicklungspotential und die Möglichkeit der wirtschaftlichen Verwertung einer Idee im Vordergrund. Am Abend wurden dann die besten Ideenpapiere in den Kategorien „Innovative Dienstleistung" und „Innovatives Produkt" „Sonderpreis Forscher" sowie „Publikumspreis“ ausgezeichnet.
Weitere Impressionen der Prämierungsveranstaltung gibt es hier.
Kurzbeschreibung der prämierten Ideenpapiere
PIGchip – Sonderpreis Forscher
Das Team: Dr. Jana Heise und Dr. Jan Heise (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Dr. Daniel Mörlein (Georg-August Universität Göttingen)
Branche: Biotechnologie
Die Idee: Ein Biochip für Schlachthöfe zur Überprüfung der Eberfleischqualität. Männliche Schweine (in Europa ca. 100 Millionen Tiere pro Jahr) produzieren im Laufe der Geschlechtsreifung Substanzen, die – wenn stark ausgeprägt („Stinker“) - das Fleisch für den Verbraucher ungenießbar machen. Daher werden in der EU männliche Ferkel in ihrer ersten Lebenswoche chirurgisch kastriert, wobei die Kastration ohne Betäubung erfolgt. Die europäischen Landwirte haben sich zu einer Abschaffung der Kastration bis 2018 verpflichtet, ohne dass es bisher eine gängige Alternative gibt. Durch PIGchip kann auf die äußerst schmerzhafte Kastration verzichtet werden, da es den Schlachthöfen die Möglichkeit bietet, automatisiert und zuverlässig „Stinker“ am Schlachtband zu identifizieren und zu selektieren. Mit PIGchip wird damit erstmalig ein „personalisiertes“ Screening von Eberfleisch möglich. PIGchip basiert auf einem schnellen und kostengünstigen, automatisierten Bluttest während der Schlachtung.
Tywear – 1. Preis in der Kategorie „Innovatives Produkt“
Das Team: (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle)
Anne Trautwein, Jens Reindl, Patrick Heypeter
Branche: Verarbeitendes Gewerbe/
Mode-Strickwaren, die beim Tragen nicht mehr kratzen und sogar im Wellnesssport eingesetzt werden können. Der innovative Ansatz, das Geotextil Tyvek in Bekleidung einzusetzen, ist auf seine hohe Funktionalität zurückzuführen. Das papierartige Funktionstextil besteht aus thermisch verschweißten, atmungsaktiven Polyethylen-Spinnfasern, welche so fein sind, dass sie nicht spürbar sind. Unser Produkt macht sich die hochfunktionalen Eigenschaften einer geotextilen Membran zu Eigen. Faserfrei, pH-neutral, federleicht, recyclebar und bei 90°C waschbar. Unser Verfahren macht aus einer endlosen Membran ein federleichtes und weiches Gestrick. Unser neuartiges Verfahren macht aus dieser endlosen Membran ein weiches, federleichtes, grobmaschiges Gestrick, das Menschen mit empfindlicher Haut eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglicht und nachhaltig mit den Ressourcen umgeht.
Traumpfade – 2. Preis in der Kategorie „Innovatives Produkt“
Das Team (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle)
Aaron Wilde, Ludwig Schilling, Martin Klinke
Branche: Architektur / Design
Traumpfade holt einen uralten natürlichen Prozess zurück in unser urbanes Leben. Den Trampelpfad.
Wie in der Natur entstehen beim Überqueren der Boden- Licht-Installation Laufspuren.
Diese werden digital gespeichert und beim wiederholten Überqueren durch Licht vorgezeichnet. So erzeugen Menschen durch ihr alltägliches Laufverhalten ein eigenes Wegeleitsystem. Diese Spuren sind Verbindungen von Orten und gleichzeitig auch Ausdruck eines effizienten Abstimmungsprozesses. Unsere Innovation ist es multimediale Interaktion auf öffentliche Plätze, direkt unter die Füße der Menschen zu bringen. Kern ist die interaktiv leuchtende Bodenplatte, die das Betreten der Passanten registriert. Durch die Kommunikation mit den Nachbarplatten ist es ihr möglich, Wege zu prognostizieren. Das Licht wird durch eingegossene Glasfaserstäbe an die Oberfläche geleitet.
ARSOLUX-Trinkwassertest mit Leuchtkraft – 3. Preis in der Kategoire „Innovatives Produkt“
Das Team: (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig)
Sonja Hahn-Tomer
Dr. Konrad Siegfried
Branche: Umweltforschung
Mit dem neuartigen und innovativen ARSOlux-Verfahren lassen sich zuverlässig, schnell und preiswert kritische Arsenbelastungen im Grundwasser qualitativ reproduzierbar erfassen. Im Vergleich zu chemischen Testkits ist der ARSOlux®‐Biosensor einfach für viele parallele Messungen anzuwenden, preiswert und ohne giftige Bestandteile.
Die Handhabung des ARSOlux‐Tests und der Messvorgang sind für den Menschen und die Natur völlig ungefährlich. Der Biosensor ist mobil einsetzbar und kann somit überall genutzt werden. Viele parallele Messungen in kurzer Zeit ermöglichen flächendeckende, so genannte ‚Blanket Tests‘. Diese sind zur Schaffung einer regionen-‐ bzw. landesweiten Datenbasis als Grundlage für Gesundheitsprogramme zur Lösung der Arsenproblematik, vor allem in Entwicklungsländern, wie zum Beispiel Bangladesh, Nepal und Indien, unbedingt notwendig.
i-like.mobi – 1. Preis in der Kategorie „Innovative Dienstleistung“
Das Team: (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Jan Kursawer ,Tim Friedrich, Mirko Kisser
Branche: Mobile Marketing / IT
Mit dem enormen Erfolg des „I like-Buttons“ („Gefällt mir“) ist der weltweit erfolgreichsten Social Media Plattform Facebook eine gigantische Verbreitung auf unzähligen Webportalen gelungen, was zahlreiche Unternehmen gezielt als zusätzlichen Marketingkanal nutzen.
Für reale Dinge unserer Welt ist eine Facebook-Empfehlung bisher aber nicht möglich! „i-like.mobi“ schließt die Lücke zwischen realer und vernetzter digitaler Welt und macht dank mobilem Internet und QR-Codes jeden erdenklichen Gegenstand in Facebook präsent. Auf i-like.mobi kann jedermann mit wenigen Klicks eine eigene mobile Website seiner Empfehlung mit einem Foto erstellen. Im zweiten Schritt wird ein QR-Code mit dem bekannten „Gefällt-mir- Daumen“ als Sticker bestellt, z.B. für ein Café. Besuchen nun Gäste das Café und finden den Sticker an der Fensterscheibe, können sie sofort mit ihrem Mobiltelefon eine Facebook-Empfehlung abgeben. Deren Freunde werden über diese Meldung innerhalb Facebooks informiert und klicken bei Interesse ebenfalls auf diesen Link. In kurzer Zeit ist das Café einer weit größeren Gruppe bekannt als zuvor.
Publikumspreis: (Kategorie „Innovative Dienstleistung“)
Liebding
Das Team: (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle)
Christin Raschke, Franziska Kolb
Branche: Unterhaltung
Unsere Idee ist, dass Partnersuchende einen Gegenstand – ein „Liebding“ abgeben und dazu einen Text verfassen, der den Gegenstand beschreibt. Eine authentische, individuellere, lustigere und weniger oberflächliche Art sich vorzustellen. Der Ursprung unserer Idee liegt in der Kontaktanzeige. Die Texte, mit denen sich die Personen vorstellen, erscheinen uns oft zu austauschbar und unpersönlich. Eine Ansammlung von Fakten, von denen man nur schwer einschätzen kann, wie viel Wahrheit über den Menschen wirklich dahinter steckt.
Juroren:
- Dr. Christian Heimann (Sparkassenbeteiligungsgesellschaft mbH)
- Dr. Ulrich Pigla (PR / Technologietransfer BIO Mitteldeutschland GmbH)
- Dr. Ulf-Marten Schmieder (Geschäftsführer Univations Institut an der MLU)
- Prof. Alexander Carot (Professor für Medieninformatik Hochschule Anhalt)
- Prof. Fridjof Meinel (Dekan Fachbereich Design, Professor für Industriedesign Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle)


